GNP Buchreihe
Neue Phänomenologie

Herausgegeben von der Gesellschaft für Neue Phänomenologie

Das Interesse der Neuen Phänomenologie gilt den Phänomen selbst. Sie eicht ihre Begriffe an der unwillkürlichen Lebenserfahrung. Dadurch gibt sie Gelegenheit zu neuen Einsichten, die über übliche Perspektiven hinausgehen. Insbesondere Themenbereiche wie Leib, Gefühl und Subjektivität können so in neuer Weise der Erkenntnis zugänglich gemacht werden. Zugleich öffnet die Neue Phänomenologie den Blick auf andere Kulturen.
Mit der Reihe, in der Monographien und Textsammlungen im Verlag Karl Alber erscheinen, wird diesem Anliegen Raum zur Diskussion gegeben.

 

Wissenschaftlicher Beirat

Für die Reihe „Neue Phänomenologie“ gibt es einen wissenschaftlichen Beirat mit folgenden Mitgliedern:

 

Prof. Dr. med. Walter Burger (Sprecher)

Prof. Dr. phil. Michael Großheim

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Hasse

Prof. Dr. phil. Hilge Landweer

 

Der wissenschaftliche Beirat entscheidet über die Aufnahme von Beiträgen in die Reihe „Neue Phänomenologie“ und gibt ggf. Empfehlungen an die Autorinnen/Autoren über erforderliche Umarbeitungen (z.B. Kürzungen, stilistische Fragen).

 

Manuskripte oder Anfragen zu Veröffentlichungswünschen gehen an den Sprecher oder auch ggf. an eine Kontaktperson im wissenschaftlichen Beirat. Anforderungen zur Gestaltung des Manuskripts im Detail sind hier im Style-sheet einsehbar.

 


Hilge Landweer, Dirk Koppelberg (Hrsg.)

Recht und Emotion I. Verkannte Zusammenhänge

456 Seiten, gebunden
Freiburg / München 2016, Band 26

Auf den ersten Blick scheinen die Bereiche von Recht und Emotionen wenig miteinander zu tun zu haben, ist doch die Auffassung weit verbreitet, dass die Sphäre des Rechts von Normen und Werten bestimmt wird, deren Entstehung und Geltung unabhängig von Emotionen sind und auch sein sollten. Das Ziel des vorliegenden Bandes besteht darin, diese etablierte Auffassung in Frage zu stellen und näher zu erkunden, wie der Bedeutung von Rechtsgefühl und für die Sphäre des Rechts einschlägigen Emotionen angemessen Rechnung zu tragen ist. Leitend ist dabei die Frage, welche Emotionen welche Rolle im Bereich des Rechts spielen und gegebenenfalls auch spielen sollten. Der vorliegende Band stellt dazu Antworten und Vorschläge aus Philosophie, Rechts-, Geschichts-, Literatur- und Filmwissenschaft sowie aus der Soziologie vor. Genauer analysiert werden in diesem Zusammenhang u.a. Empathie, Empörung, Rache, Reue, Scham, Schuld, Vergebung, Versöhnung und Zorn in rechtlichen Prozessen. Insgesamt bieten die Beiträge eine Einführung und Grundlegung des neuen interdisziplinären Forschungsbereichs „Recht und Emotion“, der in der angelsächsischen Welt seit ca. 15 Jahren intensiv bearbeitet und mit diesem Band erstmals für den deutschsprachigen Bereich erschlossen wird.


Isabella Marcinski

Anorexie - Phänomenologische Betrachtung einer Essstörung

131 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2014, Band 25

In der gegenwärtigen Forschung zur Essstörung Anorexia nervosa dominieren human- und sozialwissenschaftliche Perspektiven, die sich auf körperliche und psychische Symptome konzentrieren. Mit Hilfe der Leibphänomenologie, die nach dem eigenleiblichen Erleben der Betroffenen fragt, eröffnet Marcinski eine neue Sicht auf die Anorexie. Anhand von Schilderungen Betroffener in autobiographischen Texten rekonstruiert die Autorin das Erleben der »Hungerkranken« und weist daran nach, dass das leibliche Spüren grundlegend für die Etablierung und Aufrechterhaltung der Symptomatik ist. Sie versteht die Anorexie als Versuch, durch kulturelle Techniken in das Erleben einzugreifen und es zu gestalten. Das führt zu der zentralen These, dass die Betroffenen mittels körperdisziplinierender Praktiken die Erfahrung von Hunger forcieren. In Hunger, Ekel, Schmerz und ständigem Frieren erfahren sie eine spürbare Selbstgewissheit. Mit dieser Umkehrung der Perspektive auf das Erleben stellt die Untersuchung die diagnostische Annahme einer Körperbildstörung in Frage. Die Anorexie ist gerade nicht, wie die bisherige Forschung annimmt, durch Vergeistigung und Entkörperung, sondern vielmehr durch eine besondere Intensität des leiblichen Spürens geprägt


Henning Nörenberg

Der Absolutismus des Anderen. Politische Theologien der Moderne

304 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2014, Band 24

Als Reaktion auf diverse Verlusterfahrungen, die mit dem Welt- und Selbstverständnis des modernen Subjekts einhergehen, hat sich ein »Absolutismus des Anderen« entwickelt: Das Subjekt wird unter dem Gesichtspunkt eines zerstörerischen Egoismus gefasst und muss nunmehr - in ethizistischer Übersteigerung - von einem quasi-göttlichen Anderen in die Pflicht genommen, zur Verantwortung gerufen werden. Diese Grundtendenz untersucht Henning Nörenberg in verschiedenen Projekten der Moderne und Postmoderne, u. a. bei Friedrich Gogarten, Emmanuel Levinas, Jacques Derrida, John D. Caputo und Giorgio Agamben. Mit Ansätzen von Hermann Schmitz und Rudolf Otto gelingt es ihm, diesen »Absolutismus des Anderen« phänomenologisch differenziert zu beleuchten.


Steffen Kluck

Pathologien der Wirklichkeit. Ein phänomenologischer Beitrag zur Wahrnehmungstheorie und zu einer Ontologie der Lebenswelt

384 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2014, Band 23

Im Alltag aller Menschen kommt es fortlaufend zu Unterscheidungen zwischen Wahrnehmungen, die als »wirklich« akzeptiert werden, und solchen, die z. B. als Täuschungen keine Anerkennung finden. Dieser Umstand wurde bisher im Kontext der Philosophie der Wahrnehmung kaum problematisiert. Dabei bietet gerade das Scheitern der Wahrnehmung als Wirklichkeitskontakt die Chance, hinsichtlich des Zustandekommens von erlebter Realität mehr zu erfassen. Die Untersuchung verfolgt generell zwei Ziele: Einerseits werden wesentliche phänomenologische Dimensionen nachgewiesen, in denen sich die pathologischen Wahrnehmungen vom alltäglichen Erleben unterscheiden. Andererseits ergeben sich daraus Hinweise auf die Kulturrelativität, Konstruiertheit und ontologische Dignität lebensweltlicher Bestände. Somit zeigt die Arbeit Wege auf, phänomenologische Einsichten kulturphilosophisch fruchtbar zu machen.


Michael Großheim, Anja Kathrin Hild, Corinna Lagemann, Nina Trcka (Hrsg.)

Leib, Ort, Gefühl. Perspektiven der räumlichen Erfahrung

320 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2015, Band 22

Was fühlen wir an bestimmten Orten? Der vorliegende Band ist an der Schnittstelle von Raum- und Gefühlstheorie angesiedelt. Einen zentralen Ausgangspunkt bildet dabei die leibliche Existenz. Die Räumlichkeit von Gefühlen steht genauso zur Debatte wie das gefühlshafte Erleben bestimmter Orte. Beiträge zum gemeinschaftlichen Erleben von
Räumen und Gefühlen und zum veränderten Raumerleben durch Beschleunigung thematisieren die soziale Dimension des Problemfeldes.

Mit Beiträgen von Thilo Billmeier, Gerhard Danzer, Anne Eusterschulte, Uta Ewald, Miriam Fischer-Geboers / Tom Geboers, Jürgen Hasse / Oliver Müller, Anja Kathrin Hild, Yuho Hisayama, Steffen Kammler / Steffen Kluck, Robert Kozljanic, Corinna Lagemann, Annika Schlitte, Hermann Schmitz, Thorsten Streubel, Toru Tani und Nina Trcka.


Lenz Prütting

Homo ridens. Eine phänomenologische Studie über Wesen, Formen und Funktionen des Lachens

ca. 2000 Seiten (3 Bände), 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2013, Band 21

Diese phänomenologische Studie bietet im historisch orientierten ersten Teil eine umfassende mentalitätsgeschichtliche Analyse der Deutung und Bewertung des Lachens von der europäischen Antike bis zur Gegenwart. Kritisch analysiert werden die vier wichtigsten und folgenreichsten Argumentationsmodelle:
- die ethisch orientierte platonisch-stoisch-augustinische Argumentationstradition, die dem Lachen misstrauisch bis feindlich gegenübersteht;
- die anthropologisch orientierte Argumentationstradition, die von Aristoteles über Joubert und Kant bis herauf zu Plessner und Schmitz reicht und die das Lachen als ein proprium hominis deutet und rechtfertigt;
- die physiologisch-mechanistisch-energetische Argumentationstradition, die mit Descartes beginnt und mit Freud immer noch nicht beendet ist;
- die evolutionsgeschichtlich-ethologische Argumentationstradition, die von Darwin begründet wurde und heute die wohl dominanteste ist.
Der zweite, systematische Teil führt die anthropologisch orientierte Argumentationstradition auf der Grundlage der Neuen Phänomenologie von Hermann Schmitz fort und beschreibt das Lachen in seinen drei Grundtypen als Bekundungs-, Interaktions- und Resonanz-Lachen auf den verschiedenen ontogenetischen Stufen von Lachmündigkeit als Spiel von personaler Emanzipation und personaler Regression wie auch als synergetisch-synästhetisches Gesamtverhalten bei verschiedenen Einstellungen und in verschiedenen Situationen. Die beiden letzten Kapitel bieten Überlegungen zur Lebensfunktion des Humors und Empfehlungen zum Vertrauen in die je eigene Leiblichkeit als dem tragenden Grund personalen Seins.


Sabine Dörpinghaus

Dem Gespür auf der Spur. Leibphänomenologische Studie zur Hebammenkunde am Beispiel der Unruhe

440 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2013, Band 20

Eine leibphänomenologische Betrachtung von Geburt grenzt sich von der vorherrschenden geburtsmedizinischen Betrachtung ab und durchstößt zugleich die traditionelle Einschränkung auf das Abbildbare, Gegenständliche und Vermessbare. Sie weist eindringlich darauf hin, dass ein wesentlicher Teil des Geburtsgeschehens missverstanden wird, wenn man bloß die gewonnenen medizinischen Parameter deutet. Die Neue Phänomenologie wird der häufig ausgeblendeten Dimension gerecht, indem sie nach Weisen fragt, wie Hebammen etwas erleben und ihre leibliche Disposition beeinflusst wird.
Im Zuge einer phänomenologischen Revision beruflichen Erlebens geht die Arbeit der Frage nach, welchen Beitrag eine Reflexion von leiblichen Eindrücken für eine erweiterte Hebammenkunde zu leisten vermag. Aus einer leibphänomenologischen Studie zum Unruheerleben der Hebamme wird deutlich, wie unzureichend die Erklärungsmodelle und methodischen Ansätze des Positivismus sind und welchen Dilemmata sich hierdurch der Stand der Hebammen ausgesetzt sieht. Es tritt hervor, dass die Hebamme selbst Teil des Geschehens in der Geburtssituation ist und welchen Beitrag zukünftig eine erweiterte Mäeutik zu leisten vermag, weil ihr eine andere Ontologie und Anthropologie zugrunde liegt. Dabei stehen der Leib und das Leibgemäße in dieser Arbeit in zweifacher Hinsicht im Fokus: einerseits in Form einer thematischen Erörterung, andererseits aber auch als methodischer Ausgangspunkt der Welterschließung.


Steffen Kammler

Die Seele im Spiegel des Leibes. Der Mensch zwischen Leib, Seele und Körper bei Platon und in der Neuen Phänomenologie

ca. 240 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2013, Band 19

Das Buch lässt »Platonismus« und »Phänomenologie« in einem gemeinsamen Thema - dem »Menschen« - zusammentreffen und vergleicht detailliert die platonische Seelentheorie mit der Leibphilosophie von Hermann Schmitz. Kernthese des Buches ist, dass Seele und Leib nicht zwangsläufig einander ausschließende Konzepte darstellen, sondern als verschiedene, aber durchaus anschlussfähige und einander ergänzende Beschreibungen desselben Phänomenbereichs verstanden werden können. So wird ein Raum für das Gespräch zwischen zwei philosophischen Denkrichtungen eröffnet, die bei allen Differenzen in der Ablehnung eines reduktionistischen Materialismus vereint sind.


Steffen Kluck, Stefan Volke (Hrsg.)

Näher dran? Zur Phänomenologie des Wahrnehmens

404 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2012, Band 18

Wenn Menschen heute versuchen genauer zu beschreiben, was und wie etwas sinnlich wahrgenommen wurde, erfolgt in der Regel ein spontaner Wechsel in die Begrifflichkeit neurophysiologischer und physikalischer Betrachtungsweisen. Diesem Band geht es darum, mit Nachdruck auf das Primat der phänomenalen Wahrnehmung in der Perzeptionsforschung zu verweisen und damit den neurophysiologisch nicht erschließbaren Wahrnehmungsereignissen zur Anerkennung zu verhelfen. »Auf die künftige Wissenschaft warten«, so Hermann Schmitz, »noch große, bisher übergangene Provinzen der phänomenalen Welt, für die erst einmal eine Empfindlichkeit geweckt werden muss, der dann die Begriffsbildung folgen kann.«


Barbara Wolf

Bildung und Sozialisation in der frühen Kindheit. Eine qualitative Studie unter Einbeziehung von Richard Sennetts Flexibilitätskonzept und Hermann Schmitz' Neuer Phänomenologie

443 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2012, Band 17

Die Sozialisationsbedingungen von Kindern haben sich verändert. Einerseits verbringen Kinder ihre ersten Lebensjahre zunehmend in Organisationen der Elementarpädagogik wie Krippe und Kindertagesstätte, wo sie häufiger den ganzen Tag untergebracht sind. Aber auch dort finden sie einen gewandelten Alltag vor. Die Fachkräfte verbringen ihre Zeit weniger in gemeinsamen Situationen mit den Kindern, wo sie in leiblich vermittelten Wechselprozessen Normen, Werte, Sinn und Bedeutung sozialen Handelns übermitteln. Vielmehr fokussiert sich ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Konstellationen wie Konzepte und Qualitätsprogramme, die Analyse, Evaluation und Dokumentation kindlichen Verhaltens in den Vordergrund stellen. Die qualitative Studie zeigt in einem historischen Abriss die Entwicklung unterschiedlicher Formen der Kinderbetreuung, stellt exemplarisch drei politische Bildungsinitiativen im Elementarbereich vor und untersucht die Auswirkungen dieser Vorgaben auf den Betreuungsalltag von Kindern in Kindertagesstätten. Dabei wird in einer gesellschaftstheoretischen Analyse der Interviews ein Zusammenhang hergestellt zur Tendenz der Ökonomisierung des Sozialen in allen Teilbereichen der Gesellschaft. Weiterhin zeigt die leibphänomenologische Analyse auf, welche Schwierigkeiten es den Fachkräften bereitet, den Verlust intersubjektiver Wechselbeziehungen mit Kindern zu beschreiben und versucht, anhand der Konzepte der ›leiblichen Kommunikation‹ und der ›Situationen und Konstellationen‹ von Hermann Schmitz adäquate Begriffe anzubieten. Das Buch soll darauf hinweisen, wie bedeutsam gemeinsame Situationen mit Kindern für ihre Individuation und Sozialisation sind und dass ein Übergehen und Vernachlässigen dieser elementaren Wechselprozesse zugunsten von Konstellationen womöglich einen neuen Typus von Kind generiert, der lediglich gesellschaftlichen Anforderungen angepasst wird und in seiner Bedürftigkeit, seinen Potenzialen und seiner Einzigartigkeit kaum noch wahrgenommen wird.


Gudula Linck

Leib oder Körper. Mensch, Welt und Leben in der chinesischen Philosophie

280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2011, Band 16

 

Gudula Linck untersucht in dieser komplett überarbeiteten Neuausgabe des Buches aus dem Jahr 2001 die traditionellen Vorstellungen von Leib und Körper in China, indem sie mit Hilfe des Ansatzes von Hermann Schmitz die Verhältnisse von „Leib und Körper", „Leib und Gefühl" und „Mensch und Welt" analysiert. Herausgearbeitet werden dabei im Selbst- und Weltverständnis sowohl die monistische Grundhaltung als auch dualistische Einflüsse, die das vormoderne China prägen. Von daher wird auch gefragt, inwieweit eine unmittelbarere Leiberfahrung und ein ganzheitlicheres Erleben in der chinesischen Tradition beobachtet werden können.
Zur Sprache kommen in diesem Zusammenhang u.a. die Bedeutung des Herzens für das chinesische Menschenbild, die Macht der Gefühle, Techniken der Leibbeherrschung und die Beziehung des menschlichen Körpers zum Kosmos.


Michael Großheim, Steffen Kluck (Hrsg.)

Phänomenologie und Kulturkritik. Über die Grenzen der Quantifizierung

392 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 15

   
Mit großem Erfolg arbeiten wir an einer Flurbereinigung unserer Lebenswelt: Alles wird berechenbarer, effektiver, sicherer. Dazu überziehen wir die Gesellschaft mit einem Netz von Vorschriften, Verträgen, Zielvereinbarungen, das uns Ordnung und Übersichtlichkeit suggeriert. Unterhalb dieser Konstellationen setzt sich indessen das Leben in komplexen, nicht vollständig explizierten Situationen fort. Die Analyse dieser doppelbödigen Existenz - zwischen den Kulissen, die uns Reglementierung und Kodifizierung zur Verfügung stellen, einerseits und dem mehr oder weniger unbestimmten Stoff des »wirklichen« Lebens andererseits - ist ein aktuelles Aufgabenfeld für Kulturkritik. Sie erweist sich als nötiger denn je.
Die Autoren des Bandes denken aus einer phänomenorientierten Perspektive über Kultur nach. Sie bieten weniger abstrakte Kulturtheorie als exemplarische Fallstudien; besondere Beachtung finden dabei die Universität und die Arbeitswelt. Im Rahmen der Analysen zeigt sich, dass eine kritische Betrachtung von Kultur unter den phänomenologischen Leitbegriffen von »Situation« und »Konstellation« in besonderem Maße produktiv sein kann.

Mit Beiträgen von: Clemens Albrecht (Soziologie), Fritz Böhle (Arbeitssoziologie), Gernot Böhme (Philosophie), Michael Großheim (Philosophie), Jürgen Hasse (Humangeographie), Heiner Hastedt (Philosophie), Ludger Heidbrink (Philosophie), Steffen Kluck (Philosophie), Hans Werhahn (Philosophie) und Hermann Schmitz (Philosophie).


Hermann Schmitz

Jenseits des Naturalismus

392 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 14

   
Die Naturwissenschaft wird für den überzogenen Anspruch einer umfassenden Welterklärung missbraucht, obwohl ihre theoretische Kompetenz auf die Konstruktion eines Gedankengebäudes für treffende Vorhersagen und plausible Entstehungsgeschichten beschränkt ist. Während die beiden anderen Verkünstelungen der unwillkürlichen Lebenserfahrung in der abendländischen Tradition (durch die antike Philosophie und die christliche Theologie) nur noch nachwirken, hat die Aufklärung ihr Werk an der die Geister beherrschenden Macht des naturwissenschaftlichen Weltbildes noch zu tun. Daher beschreibt Schmitz die Grenzen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis im Zusammenhang mit der durch die abendländische Tradition entstandenen gegenwärtigen Lage. Anschließend zeigt er an Raum und Gefühl, Leib und Person Perspektiven einer vom naturwissenschaftlichen Weltbild (nicht von der Naturwissenschaft) emanzipierten Phänomenologie auf.


Michael Großheim, Stefan Volke (Hrsg.)

Gefühl, Geste, Gesicht. Zur Phänomenologie des Ausdrucks

280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2010, Band 13

   
In den letzten Jahren bahnt sich eine Renaissance des Ausdrucksdenkens an. In den Geistes- und Kulturwissenschaften gibt es ein neues Interesse an der Physiognomik, hinzu kommt die Wiederentdeckung der Stimme als Ausdrucksphänomen, und schließlich wird dem Ausdruck auch in der Philosophie wieder breitere Aufmerksamkeit geschenkt.
Das Buch versammelt Beiträge zur Kategorie des Ausdrucks u. a. aus den Bereichen Philosophie, sprachliche Kommunikation, Tanz, Architektur, Musik, Gesichts- und Formwahrnehmung und gibt damit einen Einblick in die aktuelle Forschungslage.

* Anmerkung *

Die im Band beim Beitrag von Hartmut Möller "Der Orchesterdirigent - Bewegungssuggestionen und solidarische Einleibung" angegebenen Ausschnitte konnten bisher leider aufgrund von Copyright-Problemen nicht auf der Homepage eingestellt werden. Damit Sie als Leser aber dennoch die informativen Gehalte des Films nicht verpassen müssen, erhalten Sie hier die entsprechenden Informationen zur Ausleihe oder zum Kauf der DVD.

Alle Ausschnitte, auf die sich Herr Möller bezieht, entstammen dem Film "The art of conducting - legendary conductors of a golden era: Sergiu Celibidache, Wilhelm Furtwängler, Erich Kleiber, Evgeny Mravinsky, Charles Munch, Willem Mengelberg, André Cluytens, Herbert von Karajan, Hermann Scherchen, Václav Talich" (deutsch: "Die Kunst des Dirigierens"), Regisseur Peter R. Smith, mit einem Kommentar von Peter Andry. Erschienen ist das Werk 1997 bei Teldec Classics International.

Die von Herrn Möller angesprochenen Ausschnitte betreffen folgende Zeitabschnitte des genannten Films:

Szene 1 (Egmont-Overtüre mit S. Celibidache): Dauer 59 sec.

Szene 2 (S. Celibidache): Dauer 16 sec., Zeitindex 1.22.18.05-1.22.19.20

Szene 3 (Till Eulenspiegel von R. Strauss): Dauer 47 sec., Zeitindex 30.32.04-30.34.12

Szene 4 (W. Furtwängler): Dauer 36 sec., 37.11.19-37.12.03

Szene 5 (S. Celibidache): Dauer 39 sec., 1.25.15.09-1.25.15.17

Szene 6 (S. Celibidache): Dauer 88 sec., 1.23.20.07-1.23.21.00


Jürgen Hasse (Hrsg.)

Die Stadt als Wohnraum

212 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 12

   
Wohnen wird lebensweltlich heute zunehmend mit Dingen, Moden und Stilen assoziiert und dann an Oberflächen flüchtiger Lebenspraxen identifiziert. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, was Wohnen als existenzielle Lebensform überhaupt bedeutet. Dies thematisiert der Band im Hinblick auf die Stadt als Wohnraum und auf das Wohnen als Kultur der Gefühle im umfriedeten Raum. Beiträge aus verschiedenen Fachgebieten und Perspektiven liefern Beispiele (z.T. mit Bezügen zu anderen Kulturen) zu aktuellen Formen umfriedeten Wohnens und umreißen so Konzepte zum Nach-Denken der örtlichen und räumlichen Qualitäten des Wohnens in der Stadt.


Hans Jürgen Wendel / Steffen Kluck (Hrsg.)

Zur Legitimierbarkeit von Macht

184 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 11

   
Dieses Buch versammelt zehn Beiträge, die sich mit jeweils unterschiedlichen Aspekten von Macht beschäftigen. Die Bandbreite der Perspektiven umfasst dabei Medizin, Politik, Psychologie, Pädagogik, Theologie und Philosophie. Durch die Vielfalt der Herangehensweisen und Gegenstandsbereiche wird ein weitgefächerter Einblick in die Ausprägungen von Macht und deren theoretische Analyse geliefert.
Zentrales Anliegen der Aufsätze ist dabei neben einer deskriptiven Fassung zentraler Aspekte des Phänomens Macht die Frage nach der Legitimität. Wann ist Macht legitim? Wie lässt sich Legitimität herstellen?


Hermann Schmitz

Freiheit

168 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert
Freiburg / München 2007, Band 10

 
Dieses Buch unterzieht die bisherige Diskussion des Freiheitproblems, in der Freiheit - verstanden als nichttriviales Äquivalent sittlicher Verantwortung - als Willensfreiheit und objektive Tatsache umstritten ist, einer grundsätzlichen Kritik. Denn damit gerät man in ein Dilemma zwischen Determinismus und Indeterminismus, die beide den Ansprüchen des normalen sittlichen Verantwortungsbewusstseins nicht genügen.
An die Stelle des Willens setzt Schmitz die Gesinnung als die aktive Seite des affektiven Betroffenseins und als subjektive Tatsache (die höchstens einer im eigenen Namen aussagen kann) mit einer Selbstbewirkung, die jenes Dilemma unterläuft; zur Freiheit wird sie durch Rechenschaftsfähigkeit ergänzt. Auf diese Weise wird auch die außersittliche Zuversicht des Menschen, dass es für etwas auf ihn ankommt, gegen Anfechtungen der Freiheit geschützt. Daher wird das Verhältnis von Freiheit und Macht eingehend erörtert, u.a. im Verhältnis zum totalen (fatalistischen) und zum naturwissenschaftlichen Determinismus. Rationales Verhalten erweist sich als unvereinbar mit deterministischer Überzeugung. Weitere Untersuchungen betreffen das Wollen und die Strafe.


Anna Blume (Hrsg.)

Was bleibt von Gott? Beiträge zu einer Phänomenologie des Heiligen und der Religion.

224 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2007, Band 9

Das 'Bedürfnis nach Religion' ist offensichtlich auch in 'säkularen und individualisierten Gesellschaften' virulent. Ob diesem Bedürfnis aber tatsächlich 'religiös' zu nennende Erfahrungen entsprechen, ob der anhaltende religiöse Betrieb sie ermöglicht oder fragwürdige Metaphysik dazu verhilft, ist nicht erst seit Nietzsches 'toller' Rede vom "Tode Gottes" zweifelhat. Was bleibt, ist "negative Theologie" (Hermann Schmitz). Im Sinne einer Phänomenologie der Leiblichkeit bindet sie das Göttliche in seiner Wurzel an leiblich fühlbare Atmosphären. Damit allerdings entfällt ein Göttliches 'an sich' und wird zur Auszeichnung 'heiliger Gefühle', die u.U., wenn unverträgliche (Gefühls-)Autoritäten mit unbedingtem Ernst zusammenstoßen, in tragische Konflikte führen oder in einen Kampt der (Gefühls-)Kulturen. - Die beteiligten Autoren beziehen sich dann je in spezifischer Form und im Begriffrahmen ihrer Disziplinen auf die Titelfrage des Buches.


Stefan Volke

Sprachphysiognomik. Grundlagen einer leibphänomenologischen Beschreibung der Lautwahrnehmung.

277 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2007, Band 8

Eines der Grundprobleme bei der Einrichtung einer auditiven Phonetik ist die synästhetische Semantik der Lauteindrücke. Sprachliche Schalleinheiten werden in der auditiven Beschreibung u.a. die Dimensionen Volumen, Dichte, Gewicht, Aktivität, Helligkeit und Höhe zugesprochen. Handelt es sich hierbei um geniune Eigenschaften des Schalls oder um aus nicht-akustischen Bereichen assoziierte Eigenschaften? Die vorrangige Orientierung der phonetischen Wissenschaften am physikalischen Weltbild hat den theoretischen Zugang für eine Erörterung dieser auditiven Attribute weitgehend verstellt. In Auseinandersetzung mit assoziationstheoretischen Erklärungsmodellen aus dem Bereich der Lautsymbolik-Forschung werden in diesem Buch stichhaltige Argumente für die Selbständigkeit der auditiven Eindrücke vorgebracht und die Verwandtschaft dieser Wahrnehmungen mit den Phänomenen des eigenleiblichen Spürens dargelegt.


Ute Gahlings

Phänomenologie der weiblichen Leiberfahrungen.

701 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2006, Band 7

Die Autorin führt leibphänomenologische und feministische Positionen zusammen und erarbeitet den Begriff des Geschlechtsleibes für die Analyse geschlechtsspezifischer Erfahrungen. Die theoretische Fundierung einer Phänomenologie der geschlechtlichen Leiberfahrung wird durch exemplarische Untersuchungen ergänzt. Eine Topographie des weiblichen Leibes zeichnet die Weisen und Gegebenheiten des leiblichen Spürens nach. Einzelanalysen beziehen die subjektive Betroffenheit in konkreten Situationen der weiblichen Biographie ein und thematisieren mit Blick auf die in der technischen Zivilisation möglichen Eingriffe in früher unverfügbare Sphären des Körpers die Einflüsse geschlechtsspezifischer Leiberfahrungen auf die leibliche Integrität.


Sven Sellmer

Formen der Subjektivität. Studien zur indischen und griechischen Philosophie.

364 Seiten. 13,9 x 21,4 cm. Kartoniert.
Freiburg / München 2005, Band 6

Die Auseinandersetzung mit der Subjektivität, wie sie in diesem Buch verstanden wird, hat ihre Wurzel in der Tatsache, dass der Mensch mehr oder weniger hilflos vielen Ereignissen ausgeliefert ist, die ihn betroffen machen und aus der Fassung bringen können. Die phänomenologische Beschreibung dieser universalen Problematik ermöglicht den Vergleich von philosophischen Theorien aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Die untersuchten Philosophie (Stoa, Epikureismus, Skepsis, ältere Upanischaden, Sãmkhya, früher Buddhismus) setzen sich auf je eigene Weise mit dieser Herausforderung auseinander und entwickeln so charakteristische Konzeptionen davon, wie die Struktur der Subjektivität beschaffen ist und sein sollte. Der Kern des Buchs besteht in detaillierten, individuell gestalteten Einzeluntersuchungen, auf deren Grundlage dann Spezifika, Gemeinsamkeiten und Hauptunterschiede der ausgewählten Theorien herausgearbeitet werden.


Janssen, Jan-Peters (Hrsg.)

Wie ist Psychologie möglich?

224 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, kartoniert
Freiburg / München 2008, Band 5


Sind Liebe und Schmerz letztlich nichts weiter als Zustände, die lediglich mit naturwissenschaftlichen Mitteln beschreibbar sind? Kann man aus der Tatsache, daß unsere Erfahrung nicht ohne physiologische Begleitvorgänge stattfindet, einfach folgern, daß beides identisch ist? Ist Psychologie lediglich eine empirische Wissenschaft, bei der es um experimentell-statistische Hypothesenprüfung geht? Das, was Menschen erleben, verschwindet zunehmend aus dem Blick der Wissenschaften. Die Psychologie hat sich nach einer phänomenologisch fruchtbaren Phase (in der die Gestaltpsychologie oder die Denkpsychologie der Würzburger Schule entstanden) an der Naturwissenschaft orientiert. Dabei ist ihr Gegenstand vieldeutig geworden. Von »Seele« ist schon lange keine Rede mehr. In unseren Tagen droht das »Bewußtsein« durch das Gehirn ersetzt zu werden. Die »Krise der Psychologie«, die Karl Bühler in den zwanziger Jahren konstatierte, ist nach wie vor virulent. In dieser Lage stellen wir die an Kant angelehnte Frage: Wie ist Psychologie als Wissenschaft möglich? Psychologie kann nicht ohne eine angemessene Berücksichtigung der Erlebnisseite betrieben werden. In diesem Zusammenhang werden Grundeinsichten der von Hermann Schmitz begründeten Neuen Phänomenologie fruchtbar gemacht.


Jürgen Hasse

Fundsachen der Sinne
Eine phänomenologische Revision alltäglichen Erlebens

Ca. 450 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 4


Im Zuge einer phänomenologischen Revision alltäglichen Erlebens geht der Band der Frage nach, welchen Beitrag eine erfahrungsorientierte Reflexion sinnlicher Eindrücke und emotionalen Erlebens für ein erweitertes Denken leisten könnte. Welchen Nutzen kann eine geschärfte Aufmerksamkeit für die Entfaltung eines strukturell erweiterten Denkens haben?
Der phänomenologischen Revision dienen Beispiele zur Stadtentwicklung, Raumplanung, zum schulischen »Lernen mit allen Sinnen«, zum Erleben von Kaufhausatmosphären wie zum Verstehen der gefühlsräumlichen Kulturlandschaft »Friedhof«. Die Anwendungen zeigen, daß eine »Alphabetisierung« der sinnlichen Wahrnehmung mit den Mitteln der Alltagssprache möglich ist. Die Erträge geschärfter Aufmerksamkeit verlieren sich nicht in esoterischer Beliebigkeit, sie ermöglichen vielmehr (nicht zuletzt in politischer Hinsicht bei der Lösung gesellschaftlicher Nutzungskonflikte) ein erweiteres selbst- und gegenstandsbezügliches Sprechen-Können. Nicht zuletzt deshalb ist der Band ein unmittelbarer Beitrag zu einer Pädagogik der Wahrnehmung.


Dirk Schmoll/Andreas Kuhlmann (Hg.)

Symptom und Phänomen
Phänomenologische Zugänge zum kranken Menschen

Ca. 240 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 3


Im Zentrum des therapeutischen Tuns steht die Begegnung mit dem Kranken. Der Arzt steht immer wieder vor der Aufgabe, das, was sich beim Patienten und in der Beziehung zu ihm darbietet, aufzunehmen und sich bewußt zu machen, das heißt, zur Sprache zu bringen. Dabei würde ihm eine Sprache helfen, die einerseits möglichst präzise ist, andererseits das Lebendige im Begriff aber nicht liquidiert, sondern Raum läß für das Gefühlte, das Atmosphärische, das Mehrdeutige und Vielgestaltige des unmittelbaren Eindrucks. Hier bietet die von dem Kieler Philosophen Hermann Schmitz begründete Neue Phänomenologie vielfältige Möglichkeiten: für Praktiker, die nach Grundlagen, Maßstäben und Werten ihres Handelns suchen, für Philosophen, die die Heilkunde als Anwendungsfeld ihrer Erkenntnis schätzen.


Anna Blume (Hg.)

Zur Phänomenologie der ästhetischen Erfahrung

Ca. 176 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 2


Das Buch versammelt im wesentlichen die Vorträge zum 7. Symposion der Gesellschaft für Neue Phänomenologie, das 1999 in der Kunsthalle Kiel stattfand. Nicht alle Beiträge beziehen sich - kritisch oder operativ - auf die begrifflichen Vorgaben der »Neuen Phänomenologie«, etwa auf den Begriff der Atmosphäre. Hermann Schmitz indes stellt mit seinem Beitrag eben diesen Begriff noch einmal in den systematischen Kontext seiner Leib-Philosophie und bringt ihn damit als möglichen Grundbegriff einer »Neuen Ästhetik« in Vorschlag. Gernot Böhme, mit Schmitz einig in der Rehabilitierung leiblich situierter Subjektivität, veröffentlichte bereits 1994 unter dem Terminus »Atmosphäre« einige Essays zum Projekt einer Neuen Ästhetik als »Aisthetik«, die über jene rezeptiv orientierten Bestimmungsversuche von »schön«, »hässlich« und »erhaben« - d. h. über die traditionalen Geschmacksfragen einer Urteilsästhetik - entschieden und umweltkritisch hinausweisen in Richtung auf eine ökologische Naturästhetik. Böhme nimmt damit die (ökologisch bedenkliche) Tatsache der »Ästhetisierung unserer Lebenswelt« und deren Produktionsbedingungen kritisch in den Blick. In diesem Spannungsbogen einer methodischen Konkurrenz zwischen Neuer Phänomenologie und Ästhetik als Aisthetik bewegen sich die Autorinnen und Autoren dieses Buches.


Hermann Schmitz

Situationen und Konstellationen
Wider die Ideologie totaler Vernetzung

Ca. 280 Seiten, 13,9 x 21,4 cm, Kartoniert
Freiburg / München 2005, Band 1


Menschen leben in Situationen mit binnendiffuser Bedeutsamkeit, aus der sie alles Einzelne schöpfen; sie finden sich darin zurecht, indem sie Situationen als Konstellationen (Vernetzungen einzelner Faktoren) zu rekonstruieren suchen. Das ist nötig und gut; sie sollten sich aber hüten, die Situationen über den Konstellationen zu vergessen und in Konstellationen auflösen zu wollen. Dieser Übermut totalen Vernetzungswillens hat das Verhältnis zur Natur, das soziale Leben und das menschliche Selbstverständnis angefressen, bestärkt vom Leitbild der Digitalisierung. Das Buch soll die unerlässliche und unerschöpfliche Bedeutsamkeit der Situation wieder in Erinnerung rufen: an der leiblichen Kommunkation, in der die gemeinsamen Situationen sich bilden, an Raum und Zeit, die als Phänomen unter der konstellationistischen Verdeckung durch Geometrie und Physik hervorgeholt werden, und an der sozialen Verkettung von Menschenrechten und Menschenpflichten. Ein Anhang mit brieflichen Erläuterungen zentraler philosophischer Positionen des Verfassers schließt das Buch.

 

GNP Buchreihe
Lynkeus. Studien zur Neuen Phänomenologie

Herausgegeben von der Gesellschaft für Neue Phänomenologie


Ziad Mahayni

Feuer, Wasser, Erde, Luft
Eine Phänomenologie der Natur am Beispiel der vier Elemente

300 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 9


Das Projekt der Phänomenologie der Natur entspringt dem Gefühl des Unbehagens an der »Entzauberung der Welt« zu einer vollständig »verwalteten«. Diese ist wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich, das Resultat eines Naturzuganges, dessen Anfänge mit dem Beginn der Moderne zusammenfallen und als dessen »erste Propheten« Francis Bacon und René Descartes bezeichnet werden können. Dieser Naturzugang, der naturwissenschaftlich-technische, gerät in eine Krise, die gegenwärtig immer deutlicher zu Tage tritt, weil er nicht zu erfüllen vermochte, was er einst versprach. Die Hoffnung auf Befreiung von Naturzwängen durch Naturwissenschaft und Technik muss in Anbetracht der ökologischen Krise als illusorisch bezeichnet werden - nicht zu sprechen von der Prophetie einer humaneren und friedlicheren Welt. Es scheint vielmehr, dass das Projekt der Naturbeherrschung den Menschen in eine noch tiefere Abhängigkeit von dem gebracht hat, was eigentlich beherrscht werden sollte.
(Anfang des ersten Kapitels)


Hermann Schmitz

Was ist Neue Phänomenologie?

435 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 8


Die Neue Phänomenologie entspringt der Beirrung darüber, daß sich das Denken (heute zunehmend in der Hand technischer Spezialisten) zu weit von der unwillkürlichen Lebenserfahrung entfernt hat. Die Urschuld daran liegt nicht erst in der Neuzeit, der sogenannten Moderne, sondern schon bei einem Paradigmenwechsel der Griechen um 400 v. Chr.: Bei der Abschließung des Erlebens in privaten Innenwelten, die nur noch durch eine bis auf manipulierbare Merkmale verarmte Außenwelt verbunden sind. Damals fielen die wichtigsten Massen der Lebenserfahrung »unter den Tisch«: der gespürte Leib und die leibliche Kommunikation; die subjektiven Tatsachen des affektiven Betroffenseins; die tieferen Schichten der Räumlichkeit unter dem von Flächen durchzogenen, dreidimensionalen, für das Zusehen bereitgestellten Raum; die Gefühle als Atmosphären; die von sich aus bedeutsamen Situationen (darunter die vielsagenden Eindrücke).
Die Subjektivität wurde als Subjekt und dieses als Seele verdinglicht, mit lauter Objekten um sich herum und naiven Kausalvorstellungen (Andrang der Objekte oder Zupacken der Subjekte) zur Vermittlung beider Seiten; der gemeinsame Ursprung von Subjektivität, Objektivität und Vereinzelung durch Entfaltung der primitiven Gegenwart kam gar nicht mehr in den Blick, obwohl er zur gewöhnlichen Lebenserfahrung gehört.
Die Neue Phänomenologie soll das Vergessene dem Begreifen zugänglich machen und an das übrige Wissen durchsichtig anschließen. Dadurch soll der Lebenswille, wenn er sich in der Gegenwart verankern will, Gelegenheit zu rechenschaftsfähigem Sprechen erhalten.
(Aus der Vorrede, erster Absatz.)


Hans Werhahn

Die Neue Phänomenologie und ihre Themen

182 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Sonderband


Die Neue Phänomenologie stellt dem seit Demokrit, Platon und Aristoteles die Wissenschaft beherrschenden ein »Denken in Situationen« gegenüber. Damit verliert das Modell einer aus festen Körpern zusammengesetzten Welt der Objektivität die beanspruchte Allgemeingültigkeit. Die »Rehabilitierung des Subjektiven«, die die Neue Phänomenologie betreibt, erschließt der wissenschaftlichen Besinnung neue Bereiche: Den Leib, die Gefühle, das Chaotisch Mannigfaltige, die Atmosphären.
Die hier vorgestellten Einführungen zu den einzelnen Themen der Neuen Phänomenologie von Hans Werhahn sollen das notwendige Umdenken erleichtern und bieten zugleich einen Überblick über die ersten zehn Jahre der Arbeit der Gesellschaft für Neue Phänomenologie.


Hermann Schmitz
(mit Beiträgen von Gabriele Marx und Andrea Moldzio)

Begriffene Erfahrung
Beiträge zur antireduktionistischen Phänomenologie

277 Seiten, 16 x 23 cm, Kartoniert
Rostock 2003, Band 7


Die Naturwissenschaft, geführt von der Physik, hat glänzenden Erfolg bei der Prognose und erwirbt sich dadurch Ansehen als letzte Instanz für empirische Erkenntnis. Dafür ist der reduzierte Bereich, den sie sich aus der Lebenserfahrung ausschneidet, aber zu schmal. Das Unbehagen an dieser Verkürzung wird durch Ausschweifung in die Metaphysik anhand der Religion kompensiert.
Die von Hermann Schmitz entwickelte Neue Phänomenologie ist bestimmt, die faktische Lebenserfahrung des spürenden, betroffenen, in Situationen verstrickten Menschen, breit gesichtet, besonnenem Begreifen systematisch zugänglich zu machen. Die Autoren dieses Buches erörtern Typ und Anspruch dieser empirischen Forschung und beleuchten sie an psychologischen, psychotherapeutischen, medizinischen, existenziellen, metaphysischen und religiösen Themen exemplarisch.


Hermann Schmitz

Höhlengänge
Über die gegenwärtige Aufgabe der der Philosophie

233 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1997, Band 6


Platon stellt sich die Menschen bekanntlich als gefesselte Zuschauer in einer Höhle vor, den Blick starr auf an die Wand projizierte Schatten, die sich für die Dinge der wirklichen Welt halten, gerichtet, während diese Welt (der ünersinnlichen Ideen) in Wahrheit erst dem entfesselten, umgewendeten, ans Tageslicht geführten und dort der Sonne ansichtig gewordenen Betrachter zugänglich sei. Platons Höhle ist aber keine natürliche Umgebung der (angeblich gefallenen) Menschen, sondern das von den Philosophen für sie gebaute Gefängnis der Tradition, und die Schatten, auf die sie fixiert sind, sind die von Philosophen entworfenen, von Theologen und Naturwissenschaftlern weiter ausgeführten Projektionen eines Herrschaftswillens zur Selbst- und Weltbemächtigung.
Hermann Schmitz will uns aus dieser Höhle hinausführen. Die Neue Phänomenologie stellt dazu den Ansatz und die Begrifflichkeit bereit. Sie hilft uns, mit scharfen und zusammenhängen Begriffen zu sagen, wie es uns wirklich ergeht.


Jens Soentgen

Das Unscheinbare
Phänomenologische Beschreibungen von Stoffen, Dingen und fraktalen Gebilden

266 Seiten, 17 x 24 cm, Gebunden
Berlin 1997, Band 5
Vergriffen – keine Neuauflage


Stoffe gehören zu den unscheinbaren Kleinigkeiten, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Und doch sind sie Phänomene; sie bergen etwas Erstaunliches, das sich der Beschreibung zunächst entzieht. Dieses Erstaunliche herauszuarbeiten, ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung.
Dabei entsteht ein neues Konzept von Stoffen, das Aspekte sichtbar macht, die bisher übersehen wurden. Der Autor erhöht die Prägnanz seines Stoffbegriffs, indem er zeigt, daß Stoffe sowohl in der Rolle von Dingen, als auch in Gestalt fraktaler Gebilde auftreten können.